Porträt, Verkostung, Weintipps

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Publié le 11/05/2015 par Sylvie Fontaine, Pas de commentaire

MAS DE DAUMAS GASSAC : Kultweingut des Languedoc


30 JAHRGÄNGE: Rückblick auf die Arbeit eines langen, erfüllten Winzerlebens

vom Ulrich Sautter «Der Weinverstand-Brief»

mas_de_daumas_gassac_1Am 23. Februar 2014 lud Familie Guibert zu einer einzigartigen Probe ein: 30 Jahrgänge in 30 Gläsern – und das für 30 Gäste standen auf dem Tisch – vom Fassmuster des roten Jahrgangs 2012 bis zum zweiten Wein, den der Languedoc-Pionier Aimé Guibert im Jahr 1979 gekeltert hat.

Samuel Guibert moderierte die Diskussion über die vertikale Verkostung neben seinem Vater stehend. – «Daumas Gassac – das ist mehr als Wein».

daumasDie Gründungslegende von Daumas Gassac ist so ungewöhnlich, dass man sie immer und immer wieder hören kann. Im Jahr 1970 ließen sich Aimé Guibert und seine Frau Véronique in der Nähe des Orts Aniane im Tal des Bachs Gassac nieder. Dort schufen sie das erste – und wohl letztlich bis heute einzige – Kultweingut des Languedoc. Fast 40 Jahre später ist die Zeit für eine große retrospektive gekommen.

Bouteille Mas Daumas Gassac1971 – Henry Enjalbert wurde durch seine Beteuerung, dass es auf diesen Böden möglich sei, eine Mischung aus Châteauneuf, Médoc und Burgund, den ersten Grand Cru-Wein des Languedoc zu produzieren, zum Initiator der jungen Domaine.

1972 pflanzten die Guiberts die ersten Rebstöcke. zum zwanzigsten Jubiläum, produzierte das Weingut sogar eine „1992er Cuvée Henri Enjalbert“ zu Ehren des weitsichtigen Geologen. Ohne Henri Enjalbert würden auf Daumas Gassac heute wahrscheinlich nur Oliven wachsen“, zieht Roman Guibert ein Fazit – von fünf Geschwistern eines von vieren, die heute im Weingut tätig sind.

1978  – als Emile Peynaud das erste Mal ins Haute Vallée du Gassac kam, am 13. September waren die meisten wichtigen Pflöcke schon ein-geschlagen : Aimé Guibert hatte Cabernet-Stöcke aus Massenselektionen der 1920er und 1930er Jahre gepflanzt, und er hatte über die Fundamente der früheren Mühle einen Gravitationskeller gebaut.

Der Barriquekeller trägt den Namen „Chai Emile Peynaud“, die ältesten Cabernet-Stöcke (eben jene aus dem Pflanzjahr 1972) wachsen im „Clos Emile Peynaud“, und bislang viermal (2001, 2002, 2007 und 2008) hat das Weingut auch eine Cuvée „Hommage à Emile Peynaud“ auf Flaschen gezogen.

1986  – erste Ernte des weissen Daumas GassacDer weiße Daumas Gassac– ausschließlich im Edelstahl ausgebaut wird ist dabei ein in seiner Bedeutung nicht zu unter-schätzendes Nebenthema. Getragen wird der weiße Grand Vin von denselben Eigenschaften, die auch dem roten zueigen sind: Frische, Präzision und Komplexität.

Von Anbeginn verzichtete die Familie Guibert im Weinbau auf Herbizide und synthetischen Pflanzenschutz. Bio war also schon Standard, als der Begriff noch niemandem geläufig war, und dies nicht aus geschraubten ideologischen Motiven: Die Familie hat immer hier gelebt, das ist unser Garten“, gibt Samuel Guibert zur Begründung an.

Heute noch machen die auf 50 Parzellen verteilten Weinberge einen urwüchsigen, ja unberührten Eindruck. sie schmiegen sich an ein natürliches Relief. Die Reben stehen eingebettet in Wald und garrigue. Umso glaubwürdiger ist die Rede von Terroir und handwerklich produzierten Weinen. Ein kleines Paradies, so scheint es, ist Daumas Gassac – und auch die zweite Generation ist dabei, jetzt voll und ganz von ihm Besitz zu ergreifen.

Heutezutage auch bei vielem, im Gewand der Biodynamik in den Weinbau (zurück-)komme, so Samuel Guibert, handle es sich letztlich um méthodes de fermier“, also Bauernregeln – etwa das Beachten von Mondphasen oder des Luftdrucks. „Der Nordwind verschließt die Weine“ sei eine dieser Erkenntnisse, und erfreulicherweise ist das Wetter am Tag der Vertikalprobe frühlingshaft lau und mild – gute Voraussetzungen also für ein sensorisches Festival.

MAS DE DAUMAS GASSAC

IN KÜRZE: Das erste und einzige Weingut des Languedoc auf Premier Grand Cru Classé-Niveau. Weinbaulich akribisch wie die besten Burgunder- Domainen, stilistisch am Médoc orientiert, und letztlich doch ganz und gar eigenständig.

LOB UND TADEL: Große Vergangen-heit, große Gegenwart: Das Gut ruht sich nicht auf einstigem Lorbeer aus. Ein Sympathieträger, der außer dem Grand Vin auch hervorragende Basisqualitäten erzeugt.

BEWERTUNG: *****
 Weltklasse

STILL: eigenständig-authentisch und glaubhaft

2004er Mas de Daumas Gassac Rouge : komplex kräuterwürzig, Lakritze, Koriander, weißer Pfeffer, Cassis. Im Mund geschmolzen, feinkörnig-pixeliges Tannin, das sich saftig auflöst, ätherisch kräuterwürzige Aromen und Minze im Abgang, runder Fluss, sanft, charmant und harmonisch, jetzt beginnend trinkreifer Wein. (Alk. 13,2% – ges. Weinsäure 5,26 g/l – RZ : ….. )

2003er Mas de Daumas Gassac Rouge : Offen im Duft, mit Noten von Zimt, Orangenblüte, Karamell, Kirschwasser – in Untertönen vielleicht nicht direkt hitzig, aber doch zumindest „warm“. Allerdings nicht oxidativ oder portig! Gute Länge, und sogar mineralische Noten. Ein milder, harmonischer Jahrgangstyp. (Alk. 13% -ges. Weinsäure 5,34 g/l – RZ : ….. )

1994er Mas de Daumas Gassac Rouge : nicht wirklich offen im Duft, aber durchaus schon mit ersten gereiften Untertönen: Trüffel. Kann sich noch positiv weiter entwickeln. (Alk. 12,5% – ges. Weinsäure 5,45 g/l – RZ : ….. )

1987 Mas de Daumas Gassac : Schokolade und Cassis, nicht sehr komplex, aber intensiv. Erstaunlich gut für das Jahr. Und mit einem relativ hohen Anteil Malbec bereitet : 8,6 Prozent. (Alk. 12,8% – ges. Weinsäure 5,05 g/l -RZ : ….. )

1984er Mas de Daumas Gassac Rouge : hat sogar Kern (ohne darüber grün zu wirken), und noch deutliche Reserven. Würziger Abklang. Ein interessanter Wein – sehr viel besser als der Ruf seines Jahrgangs. (Alk. 13% – ges. Weinsäure 5,37 g/l – RZ : ….. )

1982er Mas de Daumas Gassac Rouge : …Großer Wein am Beginn seiner Reife. (Alk. 132% – ges. Weinsäure 5,51g/l – RZ : ….. )

Alle Verkostungsnotizen im N°1/2014 – 28 März 2014 « Der Weinverstand Brief» von Ulrich Sautter

Auszug aus « Der Weinverstand Brief» von Ulrich Sautter © ULRICH SAUTTER

N° 1/2014 – 28 März 2014

DIE WEINVERSTAND BRIEF BEWERTUNG verzichtet – außer bei Fassproben aus Bordeaux – auf die Bewertung einzelner Weine. Bewertet wird vielmehr die qualitative Stellung eines Betriebes als ganzen. Die Betriebsbewertungen haben folgende Bedeutung: * Solide Qualitäten! ** Ambitionierte Qualitäten! *** Stilsichere Qualitäten! **** Qualitäten auf Top-Niveau! ! ***** Weltklasse !!!

 

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